Humanistischer Lifestyle

Da kann sich auch das „religiös unmusikalische“ Gebührenzahler-Herz einmal freuen: In der Sendereihe „Tag für Tag“ des Deutschlandfunks wurden heute gleich zwei Beiträge der Arbeit und den Anliegen des Humanistischen Verbandes gewidmet.

Wer die jüngste Ausgabe des Magazins diesseits aufmerksam gelesen hat, sieht vielleicht: Trotz eines mittlerweile sehr beachtlichen Bevölkerungsanteils sind nichtreligiöse und humanistisch denkende Menschen in Deutschland noch viel zu wenig organisiert, um wirklich flächendeckend und effektiv für ihre Gleichberechtigung und Gleichbehandlung eintreten zu können. Deutlich gemacht hatte ich das anhand eines Ländervergleiches mit dem Fokus auf Deutschland, Norwegen und Schweden. Diesem empirisch gut fundierten Vergleich nach verbindet beispielsweise der Humanistische Verband hierzulande derzeit nur rund 1/60 der Menge an Bürgerinnen und Bürgern, die für eine breite gesellschaftliche Anerkennung und Beteiligung von Menschen mit areligiöser humanistischer Lebensauffassung „auf Augenhöhe“ wie in Norwegen als notwendig erscheint. Vermutlich dürften sich aber so einige „Gläserne Wände“ bei der systematischen Benachteiligung dieses Teils der Konfessionsfreien bereits dann praktisch überwinden lassen, wenn sie wenigstens ein wenig besser aufgestellt wären als derzeit.

Denn für Humanist*innen-Rechte gilt trotz Artikel 3 des Grundgesetzes nicht weniger als für Frauen, Arbeitnehmer oder LGBT: von nichts kommt nichts (Lukrez). „Fast im gesamten zivilgesellschaftlichen Bereich gibt es keine Rechte ohne entsprechende Bemühungen, sie auch zur Geltung zu bringen“, sagte Frieder Otto Wolf, Präsident des Humanistischen Verbandes vor kurzem dazu. Darum gibt es Frauenrechtsorganisationen, Gewerkschaften, das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung – und eben auch den Humanistischen Verband, der erst 1993 gegründet wurde.

Dieser ist trotz institutioneller Wurzeln, die teils mehr als 160 Jahre alt sind, und vielen wertvollen Grundsätzen, Ideen, Traditionen, Projekten und Zielen den meisten Menschen in Deutschland noch unbekannt. Die Überlegung, uns durch irgendeine Form eigenen Engagements zu unterstützen, kann für die große Mehrheit der Konfessionsfreien daher gar nicht wirklich in Betracht kommen.

Umso erfreulicher ist es, dass die Sendereihe „Tag für Tag“ den maßgeblichen Werteorientierungen und einem kleinen Teil der vielfältigen Tätigkeiten unseres weltanschaulich-kulturell-menschenrechtlichen Startups heute wieder einmal zwei schöne Beiträge gewidmet und diese dem Publikum vorgestellt hat. Der eine Beitrag handelt von humanistisch gestalteten Partnerschaftsfeiern, für den anderen wurden mir Fragen gestellt wie: „Gibt es einen humanistischen Lifestyle?“ – Für mich lag die Antwort auf der Hand: Ja, aber…ich hoffe, dieser Begriff etabliert sich nicht. Aus Gründen.

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