Fehlendes Problembewusstsein

Der wegen seiner atheistischen Überzeugungen in Deutschland gestrandete Bangladeschi Ahmed Nadir sagt, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die spezielle Situation von Geflüchteten ohne religiösen Glauben nicht ausreichend im Blick hat.

Vor knapp zwei Jahren war bei Ahmed Nadir für einige Tage bei mir in Berlin zu Gast und hat – mit mir nach Feierabend – die Stadt kennengelernt, bevor er zurück in ein Asylbewerberheim in Nordrhein-Westfalen fahren musste. „Ich habe Freiheit gefühlt und hatte den Eindruck, diese Stadt kann auch meine Stadt sein. Die Menschen hier sind freundlich und herzlich. Ich mag es auch, dass Berlin voller Geschichte ist und die Bevölkerung internationaler und offener. Toleranz, Gedankenfreiheit und 1.200 Sorten Bier – toll!“, sagte Ahmed Nadir anschließend zu seinen Eindrücken. Warum die kurze Auszeit in Berlin für ihn dringend nötig gewesen war, erzählte er ausführlicher für diesseits.de.

In kurz: Säkulare Journalisten und Blogger in Bangladesch, die kritisch über den Islam oder die Verquickung von Religion und staatlicher Macht schreiben, werden serienweise von fanatischen Gläubigen umgebracht. Doch Dhakas Polizei-Generalinspekteur sah sich anlässlich der Ermordung des 40-jährigen Niloy Chakrabarti alias Niloy Neel im August 2015 tatsächlich dazu bewegt, die Bevölkerung daran zu erinnern, dass die Gesetze des Landes für die Verletzung „religiöser Gefühle“ eine Höchststrafe von 14 Jahren Gefängnis vorsehen, und er meinte: „Niemand sollte die Grenze überschreiten.“

Mittlerweile haben sich mehrere Institutionen in Deutschland mit dem Ziel engagiert, konkret gefährdeten oder bedrohten Journalisten und Bloggern die Flucht zu ermöglichen: So unterstützten die bayerischen Humanisten den 31-jährigen Tammoy K. und die Hamburger Stiftung für politische Verfolgte hat bereits mehreren Aktivisten aus der Region zum Sprung nach Deutschland verholfen, darunter Asif Mohuiddin und Ananya Azad.

Klar ist: Auch Ahmed Nadir wird so schnell nicht zurück nach Bangladesch können ohne sich in konkrete Lebensgefahr begeben zu müssen. Nach seiner Rückkehr nach Nordrhein-Westfalen war er dankenswerterweise von Ricarda Hinz & Co. in die humanistische Community in Düsseldorf und Umgebung aufgenommen worden.

In einem Interview berichtete Ahmed nun erneut über die Schwierigkeiten von nichtreligiösen Geflüchteten und das geringe Problembewusstsein, das hier bei den deutschen Behörden existiert: „Im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ist man sich nicht darüber bewusst, welche Auswirkungen es haben kann, als Atheist mit religiösen Menschen zusammenzuleben. Ich habe versucht, meine ungläubige Einstellung vor den anderen im Asylbewerberheim zu verstecken. Die meisten Atheisten, die Asyl suchen, flüchten vor Verfolgung oder der Bedrohung ihres Lebens. Hier müssen sie dann in Angst mit religiösen Menschen auf unbestimmte Zeit zusammenleben.“

Weiterlesen auf rosalux.de…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.